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Die Fürsorge befreien

Carol Garboden Murray | September 2026

Als früh-pädagogischen Fachkräften wird uns oft gesagt, wir sollten die Fürsorge nicht zu sehr betonen, wenn wir unsere Arbeit beschreiben. Konferenzen und Schulungen raten uns, die Sprache der Wissenschaft zu verwenden, um zu zeigen, wie Kinder lernen. Wir nutzen diese Sprache, um unsere Arbeit mit kleinen Kindern zu rechtfertigen und zu erklären. Die Botschaft lautet: „Andere werden denken, deine Arbeit sei nur Babysitting, wenn du über Fürsorge sprichst. Bezeichne deine Einrichtung nicht als Kindertagesstätte, sondern als Frühbildungsinstitut. Du bist mehr als Fürsorge.“

Eine Bezugsperson bietet einem kleinen Kind Hilfe an

In dieser Aussage ist die Vorstellung eingebettet, dass je älter die Person ist, der Sie etwas beibringen, desto mehr Respekt Sie als Fachkraft verdienen. Universitätsprofessoren und Oberstufenlehrer „unterrichten“ wirklich, während diejenigen, die sich um Babys, Krabbelkinder und Kleinkinder kümmern, am unteren Ende der Bildungshierarchie stehen. Uns wurde geraten, Elemente aus den schulischen Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen und Schreiben in unseren Konzepten zu integrieren, um der frühkindlichen Bildung mehr Legitimität zu verleihen. Selbst in unserem eigenen Bereich sind wir oft gezwungen, teilweise schulische Begriffe zu verwenden, um Akkreditierung und Anerkennung zu erlangen.

Die Sprache und die Systeme, mit denen wir die Betreuung von Kindern manchmal verschleiern, entspringen nicht unserem Inneren. Sie sind nicht darauf ausgelegt, die einzigartige Lebensphase, die als frühe Kindheit bezeichnet wird, wirklich zu lieben, zu respektieren oder anzuerkennen. Sie drängen nach unten, sie erzeugen Druck, sie hetzen, sie beengen. Sie veranlassen uns, die Kindheit zu unterdrücken und Kinder sowie deren Fürsorge dem unterzuordnen, was man als akademisches Lernen ansieht.

Erzieherinnen helfen Kinder beim Essen

In meiner Laufbahn habe ich gelernt, die richtige Sprache zu sprechen. Ich weiß, wie man fast jeden Aspekt der Kinderbetreuung und der frühen menschlichen Entwicklung mit akademischen Kompetenzen verknüpfen kann. Wenn ich das dreijährige Mädchen am Tisch sitzen und einen Snack essen sehe, kann ich Ihnen sagen, wie sie ihre propriozeptive Intelligenz nutzt, um ihren Platz zu finden und eine gesunde Körperhaltung einzuhalten. Gleichzeitig schenkt sie sich mit beiden Händen Wasser ein, wodurch sie ihre Aufmerksamkeit und ihre Gehirnentwicklung fördert, während sie die Körpermittellinie überquert. Ich kann Ihnen von der Sequenzierung und der Feinmotorik berichten, die sie übt, während sie mit einem kleinen Messer Hummus auf ihr Brot schmiert. Ich kann die Sprach- und Vokabelkompetenzen beschreiben, die dabei eingebunden sind, während sie sich mit den Fachkräften und ihren Gleichaltrigen unterhält. Am wichtigsten ist jedoch, dass ich ihr aufkeimendes Selbstgefühl und das Wissen beschreiben kann, das sie über ihre eigene Handlungsfähigkeit und ihren Wert gewinnt, während sie eine innere Beziehung zum Essen aufbaut und ein Bewusstsein für ihre Vorlieben und Abneigungen sowie ihre inneren Regungen für Hunger und Sättigung entwickelt.

Ich kann beschreiben, wie die beim Snacken gelernten Lektionen mit zukünftigem akademischem Erfolg verknüpft sind, aber während ich das tue, frage ich mich: Warum können wir die Fürsorge für Kinder nicht um ihrer selbst willen wertschätzen? Warum fühlt sich diese Sprache künstlich und aufgesetzt an? Warum müssen wir Kinder für ein fernes Ziel instrumentalisieren? Warum sprechen wir eine Sprache, die nicht unsere eigene ist, und beklagen gleichzeitig, dass die Arbeit der Frühpädagogik und Fürsorge missverstanden, nicht geschätzt und nahezu unsichtbar ist?

Wickelbereich in der Krippe

Indem wir nicht offen und ausdrücklich über Fürsorge sprechen, propagieren wir meiner Meinung nach eine falsche Dichotomie, wonach Bildung und Fürsorge getrennt seien. Ich bin nicht mehr bereit, die Fürsorge zu entwerten, zu verbergen oder zu verschleiern. Wir müssen Fürsorge benennen und allen zeigen, dass die einfachsten Rituale der Fürsorge, die die Gesellschaft typischerweise als rein pflegend ansieht, auch intellektuelle Begegnungen darstellen. Ob es darum geht, eine Mahlzeit zu servieren, eine Windel zu wechseln, eine Nase zu putzen, eine Hand zu halten oder einem Kind beim Anziehen der Fäustlinge zu helfen – Fürsorge erfordert eine ganz besondere Art von Intelligenz, Einsicht, Würde, Respekt, Präsenz und Dialog. Durch Fürsorge lernt ein Kind sich selbst und andere kennen. Fürsorge bietet die ersten Lektionen in Empathie, Perspektivwechsel, Partnerschaft und menschlichem Wert. Diese sind Kenntnisse, die sich nicht kategorisieren, messen und standardisieren lassen. Fürsorge entwickelt Menschen. Fürsorge ist die Lektion von Liebe, Verbundenheit und menschlicher Abhängigkeit, die tief im Körper und Geist eines kleinen Kindes im gegenwärtigen Moment verankert ist. Fürsorge ist die Ursprungsgeschichte, die wir alle teilen.

Erzieherin hilft einem Mädchen mit einer Strickjacke

Als frühpädagogische Fachkräfte fällt es uns schwer, das zu benennen, was wir tun, weil uns Fürsorge so nah ist. In einem von Frauen dominierten Berufsfeld wird Fürsorge unterbewertet, erwartet und als selbstverständlich angesehen. Manchmal ist sie uns so vertraut, dass sie einfach und offensichtlich erscheint, aber das ist sie nicht. Fürsorge ist komplex, tiefgreifend und stark. Als Lehrkräfte von kleinen Kindern haben wir die unglaubliche Chance, Fürsorge zu untersuchen, zu beschreiben und als Keim des menschlichen Wachstums, der Entwicklung und der Selbstverwirklichung hervorzuheben. Fürsorge bietet die Möglichkeit, das Leben zu verstehen. Fürsorge ist ein ethisches Modell für Beziehungen, Glück und lebenslanges Lernen.

Ein Mädchen hält sich an der Hand eines Erwachsenen fest.

Als Kolleginnen und Kollegen in der Frühpädagogik lade ich Sie ein, Botschafter der Fürsorge zu sein. Überlegen Sie, wie Sie Fürsorge definieren, darüber sprechen und wie Sie sie in Ihrer wichtigen Arbeit mit unseren jüngsten Mitmenschen umsetzen. Ich lade Sie ein, Ihren eigenen Wert bei der Pflege und Fürsorge zu reflektieren. Behandeln Sie bestimmte Teile Ihres Tages, wie die Vorlesezeit, als wichtiger als andere Teile Ihres Tages, wie die Ruhezeit und die Essenszeit? Sehen Sie sich selbst als pädagogische Fachkraft, während Sie Kindern beim Toilettengang, beim Händewaschen oder beim Anziehen ihrer Jacke helfen? Praktizieren Sie Fürsorge als ehrwürdige menschliche Begegnung oder als lästige Pflicht?

Schließen Sie sich mir an bei einer Auseinandersetzung mit dem Thema Fürsorge. Gemeinsam finden wir neue Wege, um die Pädagogik und Praxis der Fürsorge zu benennen.

Lassen Sie uns gemeinsam die Fürsorge befreien!

Themen
soziale und emotionale Bildung, Rolle der pädagogischen Fachkraft
Verwendung
Weiterbildung