Die Bedeutung von Schemata für kindliche Lernprozesse

Im Rahmen eines Projektes zur Förderung von Umgebungen für Zweijährige aus sozial schwachen Familien entstand ein Buch, um Eltern zu helfen, ihre Kinder zu verstehen und Freude an ihnen zu haben: In Schemas for parents stellt Stella Louis die Thematik besonders für Eltern anschaulich dar.

 

Die Bedeutung von Schemata im selbstinitiierten und spontanen Spiel von Kindern ist zu einem wichtigen, integralen Teil der frühpädagogischen Praxis geworden. Schemata sind sich wiederholende Muster im Verhalten von Kindern, die direkt mit der Entwicklung und Etablierung kognitiver Strukturen im Gehirn zusammenhängen. Der überarbeitete, in England verbindliche Bildungsplan Early Years Foundation Stage (EYFS, 2012) verlangt von pädagogischen Fachkräften, als Ausgangspunkt des Kennenlernprozesses jedes Kind zu beobachten, ihm zuzuhören und seine Interessen zu dokumentieren, um mit jedem jungen Lernenden vertraut zu werden. In der Folge sind viele Fachkräfte sehr erfahren im Erkennen von Schemata geworden. Sobald diese jedoch identifiziert sind, wissen die Pädagoginnen nicht immer, wie sie sicherstellen können, dass das schematische Interesse eines Kindes direkt in ihrer Planung berücksichtigt wird.

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Schemata in der Entwicklung von Kindern auf vier verschiedenen Ebenen funktionieren: Ebene 1 - Sensomotorik, Ebene 2 - Symbolische Darstellung, Ebene 3 - Funktionale Abhängigkeit und Ebene 4 - Abstraktes Denken. Zum besseren Verständnis wird in diesem Artikel das „Transportschema“ für jede der oben genannten Ebenen veranschaulicht.

Das Transportschema ist definiert als: „ein Interesse daran, sich zu bewegen und Objekte zu transportieren“. Sobald sie mobil sind, beginnen Babys und Kinder, Gegenstände und sich selbst von einem Ort zum anderen zu bewegen, indem sie Taschen, Fahrräder, Spielzeuglaster usw. benutzen.

Stufe 1 - Sensomotorik

In der frühpädagogischen Praxis ist bekannt, dass Kinder durch ihre Sinne lernen und durch das, was sie sehen, schmecken, berühren, hören und riechen, Informationen aufnehmen. Ihre komplexen multisensorischen Verbindungen fungieren als Hauptquelle für Informationen aus dem Gehirn, die wiederum ihre kognitiven Strukturen (Schemata) stärken.

Beobachtung
Seit einiger Zeit hat Jakob, 18 Monate alt, Interesse daran gezeigt, Dinge von einem Ort zum anderen zu bringen. Bei einem kürzlichen Besuch in einem Baumarkt bestand er darauf, eine Reihe von Objekten zu transportieren. Er wurde zuerst bei dem Versuch beobachtet, mehrere Dosen Farbe zu transportieren. Nach vielen Versuchen stellte er jedoch fest, dass sie für ihn zu schwer waren, um sie heben oder tragen zu können. Dann fand er einen Pflanztopf mit Rosmarin, den er handhaben konnte, aber anstatt einen Korb zu benutzen, entschied er sich, ihn mit den Händen bis zur Kasse zu transportieren. Auf dem Weg aus dem Baumarkt fand Jakob ein großes Plastikschild mit der Aufschrift „Vorsicht, Rutschgefahr“, das er ebenfalls zu bewegen versuchte.

Jakob interessiert sich dafür, mit seinen Händen Dinge zu bewegen. Er lernt durch seine Bewegung und seine sensorischen Empfindungen, dass einige Dinge schwer und andere leicht sind und dass auch große Dinge leicht sein können.

 Ebene 2 - Symbolische Darstellung

Symbolische Darstellung ist, wenn Kinder etwas benutzen, um etwas anderes darzustellen. Zum Beispiel könnte ein Kind ein Blatt benutzen, um bei einem gespielten Einkauf Geld darzustellen.

Beobachtung
Isabel, 24 Monate alt, wurde beobachtet, wie sie einzelne Gleisstücke einer Spielzeugbahn bewegte. Sie verbrachte zehn Minuten damit, sie aus ihrem Gruppenraum in den Garten zu tragen, wobei sie die Stücke jedes Mal in ihren Buggy legte. Als der Buggy voll beladen war, sagte sie es ihrer Bezugserzieherin: „Ich einkaufen.“ Die Erzieherin fragte sie, ob sie Geld habe. Isabel antwortete „Ja“ und zeigte auf ihre Tasche.

Aus dieser Beobachtung kann man erkennen, dass Isabel sich für Ausflüge und für das Bewegen von Objekten interessiert. Das gespielte Einkaufen hilft ihr, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und zu verknüpfen. Sie spielt, dass die Gleise der Spielzeugbahn ihr Einkauf sind und dass sie Geld in der Tasche hat. Es ist offensichtlich, dass sie sehr damit beschäftigt ist, ihr Verständnis davon zu entwickeln, Gegenstände zu bewegen und Gleiches zu einer Kategorie zusammenzufassen.

Stufe 3 - Funktionale Abhängigkeit

Funktionale Abhängigkeit ist die Verwendung von Vorwissen durch ein Kind; wenn Kinder in der Lage sind, auf Wissen zurückzugreifen, das sie bereits aufgenommen und in ihre kognitiven Strukturen integriert haben.

Beobachtung
Oliver, 40 Monate alt, wurde beim Spielen mit Teilen eines Regenrohrs im Garten beobachtet. Das folgende Szenario zeigt, wie er das Transportschema auf dieser Ebene der funktionalen Abhängigkeit verwendet.

Kasten


Nachdem er die Teile des Regenrohrs gegen eine Wand im Außengelände gelehnt hat, geht Oliver nach drinnen und kommt mit drei Autos zurück. Obwohl er stark genug ist, die Rohre an die Wand zu lehnen, kann er die Enden nicht erreichen, um ein Auto herunterrollen zu lassen. Also geht er zurück nach drinnen und kehrt mit einem Kasten zurück, den er neben die Stücke des Rohrs hinstellt. Er stellt sich auf den Kasten, ist aber immer noch nicht groß genug. Sein nächster Versuch besteht darin, einen Hohlbaustein auf den Kasten zu platzieren. Dann stellt er die Rohre in einem etwas flacheren Winkel an, so dass er das obere Ende erreichen kann. Problem gelöst: Er schiebt die Autos in die Rohre, springt von dem Kasten herunter und wartet darauf, dass sie am anderen Ende herauskommen. Dann sammelt er seine Autos auf und wiederholt sein Spiel wieder und wieder. Oliver wendet sein Vorwissen über Höhe und Schwerkraft an, um sein Spiel zu unterstützen.


Stufe 4 – Abstraktes Denken

Abstraktes Denken bedeutet, dass Kinder Sprache verwenden, um Ereignisse, Dinge oder Erlebnisse zu beschreiben – manchmal unter Verwendung von Informationen, die ihnen vermittelt wurden, ohne dass konkrete Auslöser vorliegen. Auf diese Weise zeigen Kinder, dass sie Wissen aufgenommen, an eine Situation angepasst und assimiliert haben, um später damit ihre eigenen neuen Ideen zu reproduzieren und über Dinge zu sprechen, die sie interessieren.

Beobachtung

Max, 46 Monate alt, war sehr daran interessiert, einen Topf mit einer Raupe in den Händen zu halten und im Garten herumzutragen. Als eine der Erzieherinnen das Kokon der Raupe erwähnte, sagte Max: „Es wird größer und größer und größer. So wie wenn wir erwachsen werden und ein neues Haus haben und ein Mann kommt und dann kriegen wir ein Baby.“ Die Erzieherin fragte ihn, wer ihm das gesagt hatte. Er zeigte auf seinen Kopf und meinte: „Niemand, ich weiß das einfach in meinem Kopf.“ Die Erzieherin konnte beobachten, wie Max sein Gedächtnis und seine Erinnerungen verwendet, um Wissen aus seinem eigenen Leben in seine Erkundungen einzubringen. Er demonstriert damit seine Fähigkeit, abstrakt zu denken.

Beobachten, Bewerten und Planen für Schemata

Die obigen Beobachtungsbeispiele zeigen, wie dasselbe Schema in vielen verschiedenen Formen wiederholt werden kann und wie Schemata verwendet werden können, um eine Reihe von Bewegungen, symbolischen Darstellungen und technischen Erkenntnissen über Ursache und Wirkung sowie abstraktes Denken zu erforschen. In diesem Fall hat das Transportschema Max auch ermöglicht, ein Verständnis für das Verstreichen von Zeit zu entwickeln.

Schematisches Spiel ermöglicht es Kindern, Erfahrungen auszutauschen, Risiken einzugehen und vorhandenes Wissen und erworbene Fähigkeiten zu überprüfen und darüber zu sprechen. Wenn Kinder mit einem Konzept oder einer Idee spielen, die sie gut kennen, bauen sie auch auf das Wissen, das sie dann auf eine Reihe neuer Erfahrungen und Aktivitäten anwenden können. Auf diese Weise werden Schemata (kognitive Strukturen) durch aktives Erkunden, Engagement, Denken und Erforschen ständig verstärkt. Es sind die Möglichkeiten für Kinder, Besuche zu machen und Ressourcen und Materialien in realen und relevanten Kontexten zu kombinieren, die diesen entscheidenden Unterschied in der Bereicherung des Lernens eines Kindes ausmachen.

Der überarbeitete britische Bildungsplan EYFS (2012) erkennt an, dass Schemata ein wesentlicher Bestandteil der kindlichen Entwicklung sind, und erklärt, dass pädagogische Fachkräfte „Selbständigkeit fördern sollten, wenn kleine Kinder bestimmte Bewegungsmuster erforschen, die manchmal als Schemata bezeichnet werden.“

Die Betonung liegt hier darauf, dass die Bewertung auf einem Verständnis dessen beruhen muss, was beobachtet wird. Daher ist das Wissen der pädagogischen Fachkraft über die kindliche Entwicklung während des gesamten Bewertungsprozesses von entscheidender Bedeutung, wenn es ein Erkennen und eine angemessene Reaktion auf die verschiedenen Formen schematischen Spiels geben soll. Ebenso bietet ein gründliches Wissen über gestaffelte Schemata den pädagogischen Fachkräften einen Rahmen, mit dem sie analysieren können, wo einzelne Kinder in ihrem Lernprozess sind, und ihnen so helfen, Einheiten zu planen, an denen das Kind am ehesten interessiert ist.


Mit der Betonung darauf, dass ein solides Grundwissen darüber, wie Kinder lernen, jeder Beobachtung vorausgehen sollte, ist zu hoffen, dass sich die überarbeiteten EYFS Richtlinien nun als praxistauglicher erweisen werden. Wenn es die pädagogischen Fachkräfte bei ihren Anstrengungen unterstützt, kindgeleitetes und von Kindern selbst initiiertes Spiel zu fördern, wird der Nutzen der Frühpädagogik den Kindern bis weit über diese Lernstufe hinaus folgen.

 

 

 

 
Die englische Originalversion dieses Artikels erschien zum ersten Mal in der Zeitschrift Early Education.

 

Stella LouisStella Louis, M.A., ist Beraterin für Frühpädagogik, die zuvor als Erzieherin, Leiterin, Dozentin und Kursleiterin gearbeitet hat.  2008 schrieb sie ihr erstes Buch über das Verständnis von kindlichen Schemata. Stella Louis hat ein nachhaltiges Interesse an der Arbeit mit Eltern entwickelt und engagiert sich in der Forschung zum Austausch von Wissen und Verständnis über die Schemata kleiner Kinder mit den Eltern. Sie ist in Fröbelpädagogik ausgebildet und arbeitet als Coach in Großbritannien und Südafrika.