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Mehr Farbe, weniger Stress

Einfache Wege, die Ausdrucksfreiheit in der frühkindlichen Kunst zu würdigen

Pauline Harrison | März 2026

Die Freude an der Kunst liegt nicht im Ergebnis, sondern im Augenblick des Schaffens. Und Kunst in der Kita braucht nicht kompliziert zu sein. Es geht darum, Kindern die Freiheit zu geben, den Prozess zu genießen, Materialien kennenzulernen und sich künstlerisch auszudrücken. Mein Name ist Pauline Harrison, und nach über 30 Jahren in der frühkindlichen Kunsterziehung weiß ich, dass die bedeutungsvollsten künstlerischen Momente oft die einfachsten sind.

Eine Szene im Klassenzimmer, in der eine Lehrerin mit einem Kind interagiert, das an einem Kunstprojekt arbeitet, während ein anderes Kind an einer Staffelei malt.

Der Prozess steht im Mittelpunkt

Wir alle wissen es, aber es wird leicht vergessen: In der frühen Kindheit dreht sich Kunst immer um den Prozess, nicht um das Produkt. Zunächst einmal ist es wichtig, dass die Kinder nicht jedes Mal etwas mit nach Hause nehmen müssen. Manchmal sind die bedeutungsvollsten Kreationen diejenigen, die im persönlichen Fach des Kindes oder an einer Wand im Gruppenraum bleiben – selbst wenn sie nach nichts Besonderem aussehen.

Ebenso unnötig ist es, die Schöpfungen der Kinder in Schmetterlingsform auszuschneiden oder sie auf andere Weise „aufzuhübschen“. Wichtig ist vor allem, dass das Kind gern mit seinem Kunstwerk experimentiert hat und Spaß dabei hatte.

Vermeiden Sie auch Anleitungen nach dem Motto: „So zeichnet ihr einen Schneemann – drei Kreise und eine Mohrrübe als Nase.“ Geben Sie den Kindern stattdessen die Möglichkeit, Formen, Farben und Ideen selbst zu entdecken. So wird ihre Kunst persönlicher. Wenn Kinder frei gestalten können, malen sie nicht nur Bilder. Sie malen ihre Gedanken, Gefühle und ihr wachsendes Verständnis unserer Welt. So bekommen Sie vielleicht keine 15 perfekten Schneemänner für Ihren Aushang; was Sie aber bekommen, ist eine Galerie der Vorstellungskraft.

Mit Freude malen

Malen mit kleinen Kindern sollte ein freudvolles, stressfreies Erlebnis sein, für Sie und Ihre Schützlinge. Das Ziel lautet nicht Perfektion, sondern Entdeckung.

Häufig malen

Lassen Sie die Staffelei so oft wie möglich aufgestellt und halten Sie die Kinder nicht vom freien Malen ab, weil Sie die zusätzliche Aufräumarbeit scheuen. Wenn das Malen vom gelegentlichen Vergnügen zur regelmäßigen Aktivität wird, ist es leichter, eine schnelle Aufbau- und Wegräumroutine zu entwickeln.

Wenn ich eine Malstunde ohne großes Aufräumen geben will, die ich jederzeit organisieren kann, verwende ich die Tempera-Farbblöcke am Tisch. Die kleinsten Kinder können sie mit einem alten Pinsel bearbeiten, ohne sie zu zerstören.

Bild eines zweijährigen Kindes, gemalt mit festen Temperablöcken. 

Bild eines zweijährigen Kindes, gemalt mit festen Temperablöcken.

Ab drei oder vier Jahren können die Kinder mit weichen Tempera- oder Plakatfarben arbeiten. Diese liefern intensive, leuchtende Farben, die mit einem feuchten Pinsel aktiviert werden können.  Zu diesem Zeitpunkt sollten Sie den Kindern beibringen, nicht auf den Farben zu rubbeln, aber das ist eine wertvolle Lektion für künftige künstlerische Aktivitäten.  Und Ihre Bemühungen werden mit der Freude der Kinder an den Farben und Formen belohnt, die sie gestalten können. 

 Bild eines vierjährigen Kindes, gemalt mit weichen Temperablöcken.

Bild eines vierjährigen Kindes, gemalt mit weichen Temperablöcken.

Nur kein Stress

Malen soll Freude machen. Wenn ein Kind das ganze Blatt schwarz ausmalt – wunderbar! Mischen Sie sich nicht mit Farbvorschlägen ein: Das Kind hat sich mit Kontrasten beschäftigt und hatte vermutlich Spaß dabei!

„Was ist das?“ – eine Frage, die man vermeiden sollte

Kinder sollten sich nicht gezwungen fühlen, ihre Kunstwerke zu erklären. Wie wäre es stattdessen mit der Frage: „Erzählst du mir etwas über dein Bild?“ So respektieren Sie den Prozess, den das Kind durchlaufen hat.

Malstunden, die Spaß machen

Hier ein Tipp zum kreativen Mischen von Plakatfarben, ideal für einen entspannten Nachmittag der Kunst und Entdeckung. Sie brauchen Farbschalen, dicke Pinsel und Plakatfarben.

Reichen Sie jedem Kind eine Farbschale, in die Sie zuerst weiße Farbe geben. Fügen Sie als Nächstes eine kleine Menge einer anderen Farbe hinzu, und variieren Sie dabei die Farbe von Kind zu Kind. Nun mischen die Kinder ihre jeweilige Farbe mit dem Weiß und fangen an zu malen.

Regen Sie die Kinder an, darauf zu achten, was beim Mischen der Farbe mit Weiß passiert: „Oh, es wird rosa! Hellgrün! Pfirsichfarben!“ Tauschen Sie die Schalen nach einer Weile aus, sodass jedes Kind einen neuen Farbton ausprobieren kann. Malen und tauschen Sie weiter. Geben Sie dann eine dritte Farbe in jede Schale – beobachten Sie, wie tiefere Grün-, Purpur-, Türkis- und schließlich satte Braun- und Grautöne entstehen.

Wenn Sie fertig sind, treten Sie zurück und bewundern die mit gemischten Farben bemalten Bögen. Die Aktivität sorgt für Unordnung, Freude und neues Lernen. Und genau so sollte Malen sein.

Eine Kinderhand hält einen Pinsel und taucht ihn in einen Farbtopf.

Kritzeln ist schön

Beim Kritzeln beginnt die Kreativität. Lassen Sie die Kinder mit jedem beliebigen Medium experimentieren, solange sie Interesse haben. Dies ist die Grundlage fürs Zeichnen und Schreiben. Würdigen Sie die Arbeiten: „Sieh mal, wie die Farben sich vermischen!“ oder: „Du hast Rot und Gelb gemischt und Orange erzeugt!“  

Bieten Sie verschiedene Materialien und Oberflächen an, um Neugier zu wecken. Kombinieren Sie weißen Wachsmalstift mit verdünnter Lebensmittelfarbe und beobachten Sie, wie die Wachsmalkreide auf magische Weise sichtbar wird.  Benutzen Sie farbiges Papier mit Kreide oder tauchen Sie für ein transparentes Medium Wattestäbchen in Lebensmittelfarbe ein. Nicht vergessen: Wachsmalstifte erfordern viel Druck, der für kleine Hände ermüdend sein kann. Bieten Sie verschiedene Materialien an: dicke Filzstifte, Pinsel, Kreide und Schwämme. Jeder Klecks macht Spaß, und Kritzeln ist schön!

Ein Junge kritzelt mit Kreide an einer Staffelei.

Ein Wandbild gestalten

Große Gemeinschaftsprojekte sind eine wundervolle Möglichkeit, Kunst und Teamarbeit miteinander zu verbinden. Breiten Sie ein langes weißes Papier auf dem Boden aus – aber nicht so groß, dass es die Kinder überfordert. Drücken Sie Plakatfarbe dort heraus, wo die Sonne sein könnte. Beginnen Sie mit Gelbtönen und einem Hauch von Rot. Ein paar Kinder können diesen Bereich bemalen. Fügen Sie dann Blau- und Weißtöne für den Himmel sowie Gelb-, Blau- und Brauntöne für Gras und Erde hinzu.  Genießen Sie die Begeisterung der Kinder, wenn sie verschiedene Grüntöne mischen! (Versuchen Sie, ihnen nicht zu verraten, dass sie Gelb und Blau mischen müssen, um Grün zu erhalten. Lassen Sie sie das lieber selbst entdecken.)

Lassen Sie die Kinder Pinsel oder Schwämme verwenden, um die Farben zu verteilen und zu mischen. Sie werden schnell entdecken, wie neue Farbtöne entstehen, wenn die Farben direkt auf dem Papier gemischt werden.

Wenn ausreichend Platz vorhanden ist, lassen Sie das Wandbild trocknen und machen Sie am nächsten Tag weiter. Bitten Sie die Kinder, diesmal Bäume, Tiere oder alles andere hinzuzufügen, was sie inspiriert. Erinnern Sie die Kinder daran, dass Bäume aus dem Boden wachsen und dass sich Äste drehen und krümmen können. Wenn die Bäume der Kinder jedoch nur aus ein paar wackeligen Linien bestehen, ist das auch völlig in Ordnung!

Hängen Sie das fertige Wandbild in Ihrem Klassenzimmer auf. Es wird auf seine kindliche Art wunderschön sein!

Fazit

Ein offener, freier Umgang mit Kunst ist die beste Vorbereitung auf die Schule und das Leben. Da kleine Kinder einen Großteil ihres Tages damit verbringen, den Anweisungen von Erwachsenen zu folgen, sollten Sie sich beim Thema Kunst mit Vorgaben zurückhalten. Geben Sie den Kindern Raum zum Entdecken und Experimentieren – Kindheit basiert auf diesen Momenten der Freiheit und Freude!

Themen
Kunst und Gestalten, soziale und emotionale Bildung, Rolle der pädagogischen Fachkraft, Anregungen für die Praxis
Alter
Kindergarten, Krippe
Verwendung
Tipps & Anleitungen