Matschmeister!
Einrichten einer Matschküche im Außenbereich
| April 2026
Julius stapft in quietschenden Gummistiefeln den Matschberg hinauf. Er hat einen Eimer und einen Löffel aus der Matschküche dabei. Er schaufelt ein paar Löffel Matsch in seinen Eimer. Greta kommt hinzu und schlägt Julius vor, einen Milchshake anzurühren. Julius antwortet: „Dieser Matsch ist zu dick, wir brauchen Wasser.“ Julius und Greta tragen den Eimer in die Matschküche und beginnen mit der Problemlösung: Sie geben nach und nach Wasser hinzu, um die richtige Konsistenz für einen Milchshake zu finden.
Wenn ihnen eine Gelegenheit geboten wird, finden Kinder immer Möglichkeiten für Matschspiele in einem Außenbereich, einem grünen Gruppenraum oder einem Park in der Nähe. Den meisten Kindern macht es Spaß, sich schmutzig zu machen, im Matsch zu spielen und ihn mit Händen und Füßen zu zerquetschen.
Wie also können wir als Erwachsene, pädagogische Fachkräfte oder Eltern diese Art von Spiel unterstützen? Zunächst einmal müssen wir darüber nachdenken, in welchem Maß wir uns selbst gern „schmutzig machen“. Wenn wir als Erwachsene nicht überzeugt sind, dass Matschen Spaß macht, ist es schwierig, Kinder dabei zu unterstützen.
Erste Schritte
Der erste Schritt auf dem Weg zum Matschmeister ist die richtige Ausstattung. Das erfordert Planung, das Sammeln von Materialien und Gespräche.
Standort
Der Standort der Matschküche ist enorm wichtig. Beziehen Sie die Kinder in die Diskussion über den besten Platz mit ein. Manchmal lässt sich nur durch Ausprobieren die richtige Stelle finden, die Zugang zu Erde und Wasser bietet. Belebte Zonen im Außenbereich sollten dabei gemieden werden. Wenn keine Erde verfügbar ist, könnten Sie örtliche Gartenbaubetriebe anrufen und fragen, ob eine Firma bereit ist, eine Ladung Mutterboden an Ihre Einrichtung zu spenden. Genau das haben wir gemacht – und jetzt haben wir einen knapp einen Meter hohen Erdhügel, der von allen liebevoll „Matschberg“ genannt wird.
Materialien
Das Einrichten Ihrer Matschküche ist noch das Einfachste! Die Kinder und ihre Familien sollten unbedingt in diesen Schritt einbezogen werden. Bitten Sie die Familien, Töpfe, Pfannen, Löffel, Rührbesen und Siebe – das bei Weitem beliebteste Utensil in unserer Matschküche – mitzubringen.
Einbeziehung der Familien
Die Einführung des Matschspiels erfordert sorgfältige und durchdachte Gespräche mit Kindern und Familien. Bei der Diskussion mit den Kindern ist es wichtig, die „Grundregeln“ für den Bereich zu besprechen – einen Plan für die respektvolle und sichere Handhabung der Materialien. Diese Regeln sollten von den Kindern kommen, zum Beispiel: „Den Matsch nicht essen“ oder „Du kannst dir den Matsch ins Gesicht schmieren, aber nicht in die Augen“. Besprechen Sie mit den Eltern, wie wichtig angemessene Kleidung ist – wenn Kinder aktiv spielen, machen sie sich schmutzig! Es ist hilfreich, alte Kleidung und Schuhe für die Matschküche bereitzustellen.
Die Einbeziehung von Familienmitgliedern in die Matschküche ist die beste Möglichkeit, um das Lernpotenzial des Matschens zu vermitteln. Lassen Sie die Eltern das Spiel beobachten und regen Sie zu Fragen an. Dies gibt der Erziehungskraft die Möglichkeit, in Echtzeit auf die Lernmomente hinzuweisen. Versenden Sie Fotos und fügen Sie Anmerkungen zum Gelernten hinzu. Beispielsweise macht ein Bild von einem Kind, das matschiges Wasser von einem Behälter in einen anderen gießt, die Lerninhalte sichtbar, denn es illustriert die Lösung eines mathematischen Problems. Das Kind muss die Antwort auf die Frage finden, ob dieselbe Menge Matschwasser, die in einen Eimer passt, auch in den nächsten passt. Dies sind mathematische Konzepte bezüglich Volumen und Menge.
Letztendlich werden die Kinder selbst zu Fürsprechern für die Matschküche, indem sie erzählen, was dort vor sich geht und was sie an dem Bereich begeistert. Als Erziehungskraft sollten Sie diese Geschichten festhalten und die Lerninhalte für die Eltern sichtbar machen. Dies trägt dazu bei, dass die Eltern die Matschküche als Lernumgebung wahrnehmen.
Und sobald das Engagement der Eltern geweckt ist und die Kinder knietief im Matsch stehen und loslegen wollen, haben die Erwachsenen die Aufgabe, die Experimente im Matsch zu unterstützen. Halten Sie sich bereit!
Das Spiel unterstützen
Wenn alle Materialien vorhanden sind und der Bereich vorbereitet ist, ist es Zeit zum Spielen! Beobachten Sie die Kinder genau und orientieren Sie sich an ihnen – sie werden Ihnen zeigen, wie der Bereich am besten genutzt werden kann.
Zu diesen Beobachtungen gehören:
- Wie verwenden die Kinder die Materialien?
- Welche Fragen stellen sie, wenn sie Erde und Wasser mischen?
- Bemerken die Kinder die verschiedenen Texturen und Konsistenzen von Matsch?
- Gibt es Kinder, die zögern, sich die Hände schmutzig zu machen?
Erziehertipp: Wenn Sie sensorische Probleme haben oder Ihre Hände ungern ganz in den Matsch eintauchen möchten, benutzen Sie eine Schaufel, einen Löffel oder tragen Sie Handschuhe, um den Matsch zu handhaben. Es ist sehr wichtig, das Spiel so zu unterstützen, dass Sie sich selbst dabei wohlfühlen, damit Sie sich nicht vor der Matschküche scheuen. Die Kinder brauchen Sie dort für die gemeinsame Erkundung und als Spielbegleitung. Höchstwahrscheinlich wird es auch Kinder geben, die ihre Hände ungern tief in den Matsch stecken, aber auch in dem Bereich spielen möchten. Dies ist Ihre Gelegenheit, Ihre Problemlösungen vorzustellen.
Herausforderungen im Matsch
Wenn wir neue Materialien einführen oder das Spiel erweitern möchten, greifen wir in unserer Matschküche zu einigen der nachstehenden Herausforderungen.
Mischen und Ausschütten
Je nach der Altersgruppe der Kinder kann das Mischen und Ausschütten eine sehr lange Erkundungsphase in der Matschküche sein. Eine Möglichkeit, diese Erkundungsphase beim Matschen zu erweitern, sind Behälter in verschiedenen Größen. Behälter mit Löchern fördern die Problemlösungskompetenz ebenfalls. Eine Aufgabe wäre zum Beispiel, Matsch mit unterschiedlicher Konsistenz zu mischen – dickflüssig, pampig oder wässrig. Das Hinzugeben natürlicher Materialien dehnt diese Art der Erkundung weiter aus. Wenn Sand, Steine, Blumen oder Blätter mit dem Matsch vermischt werden, verändert sich sein Fließverhalten.
Bleibt der Matsch kleben?
Kinder finden es toll, Matsch gegen eine vertikale Oberfläche zu werfen und zu beobachten, wie er langsam nach unten rutscht oder abfällt. Die erste Herausforderung besteht darin, dem Matsch die richtige Konsistenz zu geben, um einen Ball formen zu können. Um die vertikale Oberfläche mit dem Matschball zu treffen, sind grobmotorische Fähigkeiten erforderlich!
Was gibt‘s zu essen?
Eine möglichst breite Palette an Materialien in der Matschküche inspiriert zu Rollenspielen. Echte Küchenutensilien regen zum Kochen und Backen an. Natürliche Materialien wie Blätter, Blütenblätter, Sand und Kreidestaub laden zu mehr Kreativität ein. (Sie können kleine Kreideflocken erzeugen, indem Sie mit einem Stück Kreide am Rand einer Pfanne entlangschaben. Die Beigabe des Kreidestaubs ist wirklich magisch, denn der Matsch verfärbt sich für einen kurzen Moment!) Wenn Sie die Kinder auffordern, ihre neuen Speiseeisaromen, Torten oder anderen Kreationen zu benennen, wird das Spiel noch kreativer.
Abwaschen!
Das Aufräumen gehört in jedem Spielbereich dazu. Sorgen Sie dafür, dass die Matschküche nicht nur als Ort für schmutzige Hände gesehen wird, sondern dass sich alle die Zeit nehmen, ihn gründlich aufzuräumen. Um für Ordnung zu sorgen, sind geeignete Aufbewahrungslösungen für die Utensilien unerlässlich. Eimer mit sauberem Wasser und Seife im Spielbereich geben den Kindern die Möglichkeit, die Oberflächen, Utensilien und Materialen abzuwaschen und Schmutz- und Matschschichten zu entfernen. Obwohl der Bereich nie blitzblank sauber sein wird, ist ein ordentliches, gepflegtes Umfeld für die Kinder einladend.
Erziehertipp: Große Autowaschschwämme sind ideal, um die Oberflächen der Matschküche zu säubern. Waschen Sie abschließend jedoch den Schmutz aus den Schwämmen und lassen Sie sie in der Sonne vollständig trocknen, andernfalls beginnen sie nach kurzer Zeit unangenehm zu riechen!
Wenn Sie glauben, dass die Matschküche nur für den Frühling und Sommer geeignet ist, entgeht Ihnen etwas! Schnee lässt sich ebenso gut in die Erkundungen in der Matschküche einbeziehen. Im Winter löst das Spiel in der Matschküche ganz andere sensorische Erlebnisse aus. Matschmeister sind das ganze Jahr aktiv!