Matsch! Magischer Matsch!

Oh, die Freude beim Matschen! Seit Urzeiten üben Matsch und Pfützen eine besondere Anziehungskraft auf Kinder aus und regen zum Spielen an. Erde, Wasser und andere Naturmaterialien wie Kiesel, Blätter und Gras miteinander zu vermischen bietet Kindern unendliche Möglichkeiten, zu lernen und dabei Spaß zu haben. Viele von uns haben bestimmt glückliche Erinnerungen an das Backen von Matschkuchen, Ausbuddeln von Würmern und das Graben von Flüssen in Erde und Schlamm. Aber es geht nicht nur um Spaß. Kinder profitieren davon, im Matsch zu spielen und zu experimentieren.

Pädagogischer Nutzen des Matschens

Was Kinder schon immer instinktiv wussten, ist nun auch wissenschaftlich bestätigt: Spielen im Matsch bringt Freude. Neuere Untersuchungen belegen, dass in der Erde mikroskopisch kleine Bakterien namens Mycobacterium vaccae leben, die das Immunsystem stimulieren und das Serotonin-Niveau im Gehirn anheben – das ist ein Endorphin, das beruhigt und uns beim Entspannen hilft. Wissenschaftler glauben, dass regelmäßiger Kontakt mit diesen Bakterien helfen kann, Kinder weniger anfällig für Depressionen zu machen. Kurz gesagt: Mit Matsch zu spielen macht uns glücklicher.

Und Matschen kann uns auch gesünder machen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass unsere heutige keimfreie Welt für den Anstieg von Asthma und Allergien bei Kindern mit verantwortlich ist. Dreck und Bakterien ausgesetzt zu sein, hilft dem Immunsystem eines Kindes, nicht allergisch zu reagieren. Ja, es ist wirklich gesund, wenn Kinder sich einmatschen!

Matsch bietet auch eine fantastische Möglichkeit, Lernprozesse zu fördern. Die Ausschüttung von Serotonin, die stattfindet, wenn man in Erde und Matsch spielt, die das Mycobacterium vaccae enthalten, verbessert erwiesenermaßen auch kognitive Funktionen. Und das konzentrierte sensorische Spiel, das Kinder erleben, wenn sie mit Matsch spielen, erlaubt ihnen, ihre Kreativität auszudrücken und gleichzeitig ihre feinmotorischen Fähigkeiten zu trainieren. Während sie zusammen etwas schaffen, üben Kinder soziale Fähigkeiten wie Kooperieren, Verhandeln, Kommunizieren und Teilen. Das erste Aufkeimen von mathematischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten wird unterstützt, wenn Kinder Vorher/Nachher-Vergleiche anstellen, Probleme lösen, Hypothesen testen und Zutaten für Matschkuchen abmessen und abzählen. Das ist Wissenschaft in Aktion! Matsch dient auch als wunderbares Kunstmaterial: Es gibt ihn in Hülle und Fülle, er kann leicht gestaltet, zu beliebig vielen Formen verarbeitet werden und verhält sich anders als Ton oder Knete. Weil Matsch ein Material ist, das keinen bestimmten Zweck vorgibt, lädt er zu kreativem Denken ein und ermöglicht Kindern, angstfrei zu spielen – man kann nichts falsch machen! Das trägt zur Stärkung des Selbstbewusstseins bei, das Kind erfährt Selbstwirksamkeit.

Matschen schließt niemanden aus, es ermöglicht allen, ihrem Entwicklungsniveau entsprechend zu spielen. Matsch ist ein offenes Material, was den unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen der verschiedenen Kinder entgegenkommt. Jüngere oder weniger geschickte Kinder konzentrieren sich vielleicht auf die sensorische Erfahrung, während ältere Kinder unter Umständen genauere Vorstellungen davon haben, was sie beim Spielen im Matsch machen wollen. Einige Kinder fasziniert, den Matsch zwischen ihren Zehen hervorquellen zu fühlen, während es für andere schon eine Leistung ist, nur ihren Finger hineinzustecken. Beim Matschen sollte jedes Kind selbst entscheiden, wie weit es gehen möchte: Jeder kann eine für sich passende Beschäftigung finden, ohne dass es dabei Richtig oder Falsch gibt.

Im Matsch zu spielen verhilft Kindern dazu, sich mit der Natur verbunden zu fühlen und ihre Umwelt stärker wertzuschätzen. Heute können viele Kinder nur noch begrenzt draußen spielen. Wenn man kaum eine Möglichkeit bekommt, Zeit in der Natur zu verbringen, ist es schwer, sich für die Umwelt verantwortlich zu fühlen. Geben wir hingegen Zeit und Gelegenheit, draußen zu spielen, zu matschen und zu experimentieren, dann fördern wir die Liebe zur Natur.

Der wahrscheinlich größte Nutzen des Spielens im Matsch besteht allerdings in den vielen positiven Erinnerungen, die es bei den Kindern hinterlässt. Matschen und das damit einhergehende Staunen sowie die Freude daran sind der Stoff, aus dem fabelhafte Kindheitserinnerungen gemacht sind!

Kinder spielen mit Matsch und natürlichen Materialien an einem Outlast Tisch

Einfache Ideen fürs Spielen im Matsch

Was kann man tun, um Kindern Gelegenheit zum Matschen zu geben? Die Antwort kann ganz einfach ausfallen: Wenn es geregnet hat, kann man Kindern erlauben in Pfützen herumzuspringen. Wer möchte, kann aber auch ohne große Umstände eine Vielzahl an matschbezogenen Spielen anbieten. Hier sind ein paar Ideen:

  • Malen mit Matsch: Stellen Sie verschiedene Arten von Erde zur Verfügung, um verschiedene „Farben“ herstellen zu können, oder verwenden Sie Lebensmittel- oder Temperafarbe mit wässrigem Matsch, um knalligere Farben zu erhalten.
  • Matschskulpturen formen: Zeigen Sie den Kindern, wie man aus Matsch Figuren formen und mit Kieseln, Zweigen und Blättern dekorieren kann.
  • Bauen mit Matsch: Verwenden Sie Matsch wie Mörtel, um mit Steinen, Stöcken oder sogar richtigen Backsteinen zu bauen.
  • Bauen Sie mit Spielzeuglastern und Baggern mit Schaufelarmen Straßen und Flüsse. Stellen Sie Spielzeugautos und Ähnliches zur Verfügung, um das Spiel zu bereichern. Mit Rohrstücken aus PVC können ober- oder unterirdische Kanäle entstehen.
  • Behausungen für Tiere bauen: Bringen Sie Plastiktiere und -dinosaurier zum Matschbereich und zeigen Sie den Kindern, wie sie mit Blättern, Stöcken und Steinen einen Wald, einen Dschungel oder Jurassic Park bauen können.
  • Matschbälle werfen: Regen Sie die Kinder zum grobmotorischen Spiel an, indem Sie eine Zielscheibe aufhängen (ein über einen Zaun gehängtes Tuch funktioniert gut) und Matschbälle auf das Ziel werfen lassen.

 
Eine Matschküche bauen

Die Spielküche im Gruppenraum gehört in den meisten Kitas zum Standardprogramm und bringt vielen Kindern Spaß. Eine Matschküche ermöglicht ihnen, ihr gewohntes Spiel weiterzuführen, aber mit dem zusätzlichen Vorteil, dass es draußen stattfindet. Kinder, die nicht gerne „ganz matschig“ werden wollen, fühlen sich vielleicht zuerst von der Matschküche angesprochen, sozusagen als Einstieg ins Spielen mit Matsch. Erwachsene erleben die Matschküche oft als die Form des Matschens, die am leichtesten zu handhaben ist. Man sammelt dafür einfach ein paar Materialien und in wenigen Schritten ist die Matschküche einsatzbereit.

Einrichten einer Matschküche

„Lage, Lage, Lage!“, heißt es im Immobiliengeschäft. Das trifft auch auf das Einrichten einer Matschküche zu. Am besten sollte die Matschküche von anderen Spielgeräten und den „Hauptverkehrswegen“ des Außenbereichs etwas entfernt liegen. Das erlaubt Kindern, sich auf die Matschküche zu konzentrieren, ohne ständig unterbrochen zu werden. Wählen Sie einen Bereich aus, in dem es viel Erde und einen Wasseranschluss gibt. Wenn es verschiedene Arten von Sand und Wasser gibt, können Kinder unterschiedlichen Matsch herstellen, und das Spiel gewinnt an Vielfalt. Stehen Kiesel, Steine und andere Naturmaterialien zur Verfügung, haben Kinder praktisch unendlich viele Möglichkeiten, was sie in der Matschküche spielen können.

Senkrechte Flächen wie Wände, Zäune oder Spaliere schaffen einen abgegrenzten Bereich und verleihen dort ein heimeliges, küchenartiges Gefühl. Außerdem kann man an solchen Flächen Töpfe oder Utensilien aufhängen. Weiterhin benötigen die Kinder viele waagerechte Oberflächen als Arbeitsfläche. Diese sollten groß genug sein, dass mehrere Kinder gleichzeitig daran spielen können. Hilfreich kann sein, verschiedene Höhen für Kleinkinder und ältere Kinder einzuplanen, damit alle bequem in der Matschküche spielen können.

Wenn es Regale gibt, haben Pfannen, Schüsseln und Löffel ein festes Zuhause, und der Bereich fühlt sich eher wie eine richtige Küche an. Jetzt braucht die Matschküche noch alte Töpfe und Pfannen, Schüsseln, Löffel, Schaber usw. Wenn Sie große Salz- oder Pfefferstreuer bereitstellen, können die Kinder sie mit trockenen Blumen oder Blättern als „Gewürzen“ benutzen. Füllen Sie weitere Behälter mit Steinchen, Ästchen, Tannennadeln und anderen Naturmaterialien, mit denen die Kinder ihre Kreationen bereichern können. Dann fehlen nur noch Kochmützen und Schürzen! Dabei muss es aber nicht bleiben: Eröffnen Sie ein Matschrestaurant, in dem die Kinder sich Menüs ausdenken, Bestellungen aufnehmen und viele Matschgerichte servieren.

Drei Kinder beim Matschen an einem Outlast Tisch

Die Rolle der Erwachsenen

Nicht alle Erwachsenen werden vom Matschen begeistert sein, und vielleicht haben einige auch generell etwas dagegen, dass Kinder sich schmutzig machen. Es stimmt, dass Matschspiel eine Menge Dreck macht, aber das ist es wert, wenn man all die Vorteile bedenkt, die es für die Kinder mit sich bringt. Um Erwachsene fürs Spielen mit Matsch zu gewinnen, sollte man Kinder genau beobachten und Erwachsenen, die vielleicht den Wert dieser Spielform oder den Gewinn für die Kinder nicht erkennen, den Sinn dahinter erklären. Nehmen Sie die Rolle des Vermittlers ein, indem Sie Matschen erlauben und das Spiel unterstützen, das aus den Kindern heraus entsteht. Helfen Sie den Kindern, ihre Kreationen zu beschreiben. Denken Sie darüber nach, wie Sie den Lernprozess durch die Bereitstellung neuer Materialien anregen können. Stellen Sie den Kindern Herausforderungen und erarbeiten Sie dann gemeinsam mit ihnen, zu welchen interessanten Ergebnissen das Spiel und die Bemühungen geführt haben.

Aufräumen

Bevor Kinder anfangen zu spielen, sollten sie auf jeden Fall Kleidung tragen, die schmutzig werden darf. Wasserdichte Schürzen (solche, wie sie auch zum Malen verwendet werden) helfen, dass Kleidung weitestgehend sauber bleibt. Es ist für Kinder sinnvoll, Gummistiefel oder Galoschen zu tragen, wenn sie in der Matschküche arbeiten. Natürlich macht das Spielen im Matsch viel Dreck und es kann einige Arbeit sein, hinterher aufzuräumen. Ebenso wie wir ja von Kindern erwarten, dass sie ihre Spielsachen im Gruppenraum wegräumen, können sie auch beim Aufräumen der Matschküche mithelfen. Die Abläufe und Erwartungen sollten den Kindern vor, während und nach dem Spiel klar kommuniziert werden. Große Wannen mit warmem Seifenwasser bereitzuhalten, in denen die Kinder die matschigen Töpfe und das Zubehör abwaschen, kann der erste Schritt beim Aufräumen der Matschküche sein.

Ärgen Sie sich nicht, dass Kinder schmutzig werden – das ist okay. Wenn man sich die ganzen Vorteile ansieht, die Kindern durch das Matschspiel entstehen, ist es nicht nur okay: Es ist sogar wichtig. Die Freude auf den Gesichtern der Kinder wird Sie außerdem beflügeln und allen zeigen, dass sich die Mühe lohnt.


Michelle Rupiper ist zurzeit Professorin für Pädagogik an der University of Nebraska-Lincoln, wo sie seit 1994 lehrt. Als Pädagogin hat sie im Lauf ihrer Karriere mit Kindern vom Kleinkind- bis zum Schulalter gearbeitet und gemeindenahe Frühförderungsprogramme geleitet. Ihre Überzeugung, dass Kinder gut vorbereitete, kompetente Fachkräfte verdienen, die verstehen, wie Kinder lernen, und in der Lage sind, sie qualifiziert zu unterstützen, hat sie dazu veranlasst, nicht nur in ihrem Heimatland USA auf regionaler und nationaler Ebene auf vielen Veranstaltungen Vorträge zu halten, sondern auch in Kenia, der Mongolei, Australien, Katar, Thailand und China. Michelle Rupiper befasst sich leidenschaftlich damit, Kinder mit der Natur in Kontakt zu bringen. Zu ihren Lieblingsthemen gehört der Internationale Matschtag und alles, was mit dem Spielen im Matsch zu tun hat.
Die deutsche Übersetzung dieses Artikels erschien zuerst in der Zeitschrift klein&gross 02/2018.