Wie man den Lernprozess von Kindern beim Spielen mit Bausteinen anleitet

Als Autorin eines Buches über Bausteinspiel war es eine naheliegende Wahl. Zu seinem ersten Weihnachten schenkte ich meinem Enkel Dagan einen Satz Einheitsbausteine. Dagan hat das Glück, Eltern zu haben, die sich zu ihm auf den Boden setzen, während er mit Bausteinen spielt. Er besucht auch eine Kindertagesstätte, die das Spiel mit Bausteinen fördert. Als Dagan fast 18 Monate alt war, schickte meine Tochter ein Video von ihm und seinem Vater, wie sie mit Bausteinen spielten. Meine erste Reaktion war, dass mein Enkel ein Baustein-Genie war! Ich konnte nicht glauben, wie vorsichtig er jeden Baustein auf den darunterliegenden Stein setzte, obwohl sein kleiner, 18 Monate alter Körper einfach noch nicht in der Lage war zu verhindern, dass die Bausteine, die er gerade so sorgfältig platziert hatte, gleich wieder umgestoßen würden.

Jedes Kind kann ein Baustein-Genie sein, wenn es von einem fürsorglichen Erwachsenen angeleitet wird.

Nachdem ich mir das Video mehr als ein Dutzend Mal angesehen hatte, wurde mir klar, dass jedes Kind ein „Baustein-Genie“ sein kann, wenn es von einem fürsorglichen Erwachsenen angeleitet wird. Die wachsende Forschung über die Interaktion zwischen Fachkräften und Kindern zeigt, dass Erwachsene eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung des Lernens von Kindern während des Spiels einnehmen. Hier sind ein paar einfache Dinge, die Sie tun können, um Kinder während des Bausteinspiels anzuleiten:

Zeit für ein offenes Ausprobieren der Bausteine

Neben den Einheitsbausteinen hat mein Enkel täglich Zugang zu ineinander greifenden Bausteinen und anderem Konstruktionsmaterial, sowohl zu Hause als auch in seiner Kindertagesstätte. Ihm wird viel Zeit gegeben, um die verschiedenen Arten von Bausteinen und Materialien kennenzulernen. Während Dagan diese verschiedenen Materialien handhabt, verbessert sich sein räumliches Bewusstsein und seine Hand-Augen-Koordination und er untersucht, was mit den Materialien möglich ist. Seine Eltern und Fachkräfte sind Vorbilder für richtiges Verhalten beim Bauen (Tunks 2013), wie z.B. Bausteine sind zum Bauen da (nicht zum Werfen) und nur die eigenen Konstruktionen werden umgeworfen (kein Umwerfen von Konstruktionen, die nicht von uns selbst gebaut worden sind). Wenn ein Kleinkind diese Regeln lernen kann, gibt es keinen Grund zu glauben, dass Vorschulkinder und Kindergartenkinder nicht auch lernen können, konstruktiv mit Bausteinen zu spielen.

Beobachten und dokumentieren der Konstruktionen von Kindern

Was bauen die Kinder? Auf welche Probleme stoßen sie? Welche Interessen äußern die Kinder beim Bauen? Was lernen die Kinder über die Eigenschaften von Bausteinen, während sie bauen? Dies alles sind wichtige Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie Kinder im Konstruktionsbereich beobachten. Obwohl mein Enkel sein Verständnis dafür, wie wichtig es ist, die Bausteine sorgfältig zu platzieren, um sie so hoch wie möglich zu stapeln, nicht sprachlich ausdrücken konnte, konnte er doch zeigen, dass er erfolgreich einen hohen Turm bauen konnte, indem er es immer wieder versuchte. Sein aufmerksamer Vater spielte während dieses Vorgangs eine wesentliche Rolle, indem er auf dem Boden saß und zeigte, dass man einmal platzierte Bausteine vorsichtig stabilisieren kann. Dagans Fachkräfte in seiner Kindertagesstätte fotografieren die Kinder, während sie bauen und senden täglich einen E-Mail-Newsletter mit den Fotos an die Eltern, in dem sie beschreiben, was die Kinder lernen.

Reflektierte Rückmeldungen geben

Als ich mir das Video ansah, musste ich schmunzeln, als ich den Dialog zwischen meiner Tochter, ihrem Mann und ihrem Sohn hörte. Dagans Vater erklärte seinem Sohn, dass der Zylinder, den er in der Hand hielt, vom kleinen Dreieckstein, dessen Spitze nach oben zeigte, herunterfallen würde. Als er das Dreieck auf die Seite legte, konnte er einen weiteren Baustein darauf legen. Meine Tochter fügte hinzu, dass Dagan es ausprobieren sollte, und wenn es umfallen würde, „nun, dann wird er es halt lernen“. Ich höre von so vielen Fachkräften, wie schwierig es ist, sich genug in das Bausteinspiel der Kinder einzubringen, um komplexes Denken oder Sprache zu unterstützen, ohne sich zu sehr ins Spiel einzumischen oder es zu stören. Dies ist wirklich eine Kunst, die Übung braucht, um sie zu beherrschen! Sie können mit diesen Tipps anfangen:

Eine Erzieherin begleitet ein Mädchen beim Bausteinspiel

  1. Stellen Sie offene Fragen. Als sein Vater auf dem Boden saß und Dagan beim Bauen beobachtete, fragte er: „Was willst du sonst noch oben draufsetzen?“ Dies deutet dem Kind an, dass das Spiel noch nicht fertig ist und erweitert werden kann. Für ältere Kinder könnte man fragen: „Was kann man noch tun, damit der Turm nicht umfällt“ oder „Was meinst du würde passieren, wenn wir diesen Baustein aus dem Haus wegnehmen würden, damit wir eine Türöffnung bekommen“?
  2. Beschreiben und erweitern Sie das, was die Kinder Ihnen sagen. Allein anwesend zu sein, während die Kinder mit Bausteinen spielen und auf ihre Bemühungen mit Wertschätzung zu reagieren, wird den Kindern zeigen, dass ihre Konstruktionen wertvoll sind (Hansel 2017). Immer wenn Dagan vor Freude über die erfolgreiche Platzierung eines Bausteins „Wow!“ schrie, erwiderte sein Vater seine Reaktion. Wenn Dagan andere Bausteine erfolgreich platzierte, würde sein Papa mit: „Gut gemacht. Sehr schön.“ und „Toll.“ reagieren. Manchmal genügt es schon, zu beschreiben, was das Kind gebaut hat. „Du hast auf deinen Zehenspitzen balanciert, damit du so weit nach oben reichen konntest, um den letzten Baustein auf den Turm zu legen, ohne dass er umgefallen ist!“
  3. Fördern Sie Sprache und Wortschatz. In einem anderen Video erzählte meine Tochter Dagan, dass er ein Objekt „in ein Gebäude hinein“ stellt. Begriffe für Richtungen wie „hinter“, „vor“ und „unter“, die für die Entwicklung des räumlichen Vorstellungsvermögens so wichtig sind, können beim Bausteinspiel in einem konkreten Kontext erlernt werden. Wenn Kinder intensiv spielen, sind sie hoch motiviert zu kommunizieren und neue Worte auszuprobieren.
  4. Aufzeigen von Bauelementen, Konzepten und neuen Begriffen. Den Kindern einen passenden Begriff in dem Moment zu geben, in dem sie ihn mit einer Handlung verbinden, macht das Lernen bedeutungsvoller. (Hansel 2017). Für den kleinen Dagan könnte das bedeuten, die Namen und Formen der Bausteine zu lernen oder zu lernen, die Anzahl der Bausteine zu zählen, während er sie voll Freude stapelt. Für ältere Kinder, die etwas über Bauwerke lernen wollen, kann es die Einführung von architektonischen Begriffen wie „Bögen“, „Säulen“, „Kuppel“ und „Wolkenkratzer“ oder die Erforschung von Konzepten wie Gleichgewicht und Schwerkraft beinhalten. Bausteinspiel bietet Kindern die Möglichkeit, viele wichtige Konzepte und Begriffe aus den Bereichen Sozialkunde, Mathematik, Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Architektur und Bauwesen zu lernen.

Fördern Sie eine Liebe zum Lernen durch Bausteinspiel.

Ein Junge spricht beim Bausteinspiel mit einer Erzieherin

Ein letzter Vorschlag ... betrachten Sie diese Tipps nicht als Anleitung zur Erschaffung von kleinen Genies. Haben Sie einfach Spaß! Gesellen Sie sich zu Ihrem Kind oder Ihren Kindern auf den Boden und verwenden Sie diese Tipps, um eine Liebe zum Lernen durch Bausteinspiel zu fördern!

Literaturhinweise

Hansel, Rosanne. 2017. Creative Block Play: A Comprehensive Guide to Learning through Building. St. Paul, MN: Redleaf Press.

Strasser, Janis and Lisa Mufson Bresson. 2017. Big Questions for Young Minds: Extending Children’s Thinking. Washington, DC: National Association for the Education of Young Children.

Tunks, Karyn W. 2013. “Happy 100th Birthday Unit Blocks!” Young Children 68(5): 82-87.

Rosanne Regan Hansel war zuletzt als Education Program Development Specialist für das NJ Department of Education tätig und ist heute Beraterin für 3D Childhood. Sie ist Autorin von Creative Block PlayA Comprehensive Guide to Learning through Building and a contributing author to Big Questions for Young Minds: Extending Children’s Thinking (Strasser & Mufson Bresson, 2017). Rosanne hat einen Bachelor in Kunsterziehung von der Penn State University und einen Master für Frühpädagogik vom Bank Street College of Education. Sie war früher Spezialistin für Frühpädagogik für die Math Science Partnership der National Science Foundation an der Rutgers University und Leiterin und Erzieherin an einer Vielzahl von Kindertageseinrichtungen. Rosanne hat Theaterstücke und Ansätze zu Bildungsplänen für Kitas verfasst, ist Co-Autorin der New Jersey Kindergarten Guidelines und arbeitet derzeit in der professionellen Fortbildung auf Grundlage dieser Richtlinien und  Wissenschaft, Mathematik, Kunst, Kreativität und MINT für Kinder.