Bausteinspiel und Mathematik

Mehr als zweihundert Jahre ist es her, dass Friedrich Fröbel für Kinder Formen aus Holz einführte, die sie erforschen, auseinandernehmen und zusammensetzen können. Seitdem haben sich Bausteine darin bewährt, die Entwicklung von Kindern zu unterstützen. Jean Piagets Theorie der Entwicklungsstadien besagt zum Beispiel, dass Kinder soziales, senso-motorisches und logisch-mathematisches Wissen entwickeln, wenn sie mit manipulierbaren Materialien wie etwa Bausteinen spielen.

Jungen, die mit Einheitsbausteinen spielen

In den Vereinigten Staaten gewann das Bausteinspiel zu Beginn des letzten Jahrhunderts an Beliebtheit durch die Pionierarbeit von Caroline Pratt, einer New Yorker Lehrerin, die von der „unterdrückerischen Qualität der formalen Bildung“ frustriert war – und begeistert von der Möglichkeit, Kinder durch konstruktives, offenes Spiel lernen zu lassen.

1983 identifizierte Stuart Reifel 19 Stadien des Bausteinspiels, die Kinder in ihrem Spiel aufweisen. (Sie waren erstmals 1934 von Guanella beschrieben worden.) In jüngerer Zeit haben pädagogische Fachkräfte und Forscher der Creative Pre-School in Tallahassee, Florida, diese Stadien bestätigt.

Wenn Kinder mit Bausteinen spielen, üben sie mathematische Fähigkeiten. Bei der Auswahl von Bausteinen unterschiedlicher Größe und Form sowie zum Beispiel beim Vergleich von Volumen und Oberfläche verwenden sie unwissentlich die Prinzipien der Klassifizierung und Reihung (Hirsch, 1996). Auch das Aufräumen beinhaltet Mathematik: Sortieren gleicher und ungleicher Formen und Organisieren nach Größe (Henniger, 1987).

Junge räumt Mini-Hohlbausteine auf

Das Bausteinspiel fördert die Fähigkeit eines Kindes, Relationen gedanklich zu visualisieren, weil es das Messen von Längen, Breiten und Höhen (wenn auch nur mit Augenmaß) beinhaltet. Solche Operationen sind vergleichbar mit denen, die in Geometrie und Algebra in den späteren Schuljahren des Kindes angewendet werden (Henniger, 1987).

Konstruktives Bausteinspiel beinhaltet auch die Verwendung von räumlichen Anordnungen (Reifel, 1983), ein wichtiger Aspekt von Mathematik und Naturwissenschaften im Allgemeinen (Casey, Pezaris & Nuttal, 1992). Eine Studie, die 1982 Bausteinkonstruktionen von Vierjährigen evaluierte und mit 1998 gewonnenen Testergebnissen im Gymnasialalter verglich, bestätigte die Hypothese, dass die Fähigkeit eines Kindes, komplexe Bausteinkonstruktionen zu erstellen, ein Indikator für spätere mathematischen Fähigkeiten ist. Interessanterweise fand die Studie einen Unterschied im Leistungsniveau zwischen Jungen und Mädchen nur dann, wenn die Jungen mehr Zugang zu Bausteinen hatten. Wenn beide die gleichen Chancen zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten hatten, gab es keine geschlechtsbezogenen Unterschiede (Stannard, Wolfgang, Jones und Phelps, 2001).

Ein kleines Mädchen spielt mit Mini-Einheitsbausteinen

Kurz gesagt, Einheitsbausteine bieten nicht nur lang anhaltendes Spiel, sondern auch das Lernen von grundlegenden pädagogischen Inhalten, die im späteren Leben von unschätzbarem Wert sein werden. Aus diesem Grund täten Erwachsene, die mit Kindern arbeiten, gut daran, die Namen der geometrischen Formen und die integrierten mathematischen Konzepte, die ihre Kinder beim Spielen mit Bausteinen anwenden werden, zu lernen, ebenso wie die Entwicklungsstadien, die Kinder während des Spielens zeigen. Einheitsbausteine sollten ein fester Bestandteil jeder Kindheit sein.

Nicht alle Bausteine sind gleich. Es gibt einige Gründe, warum sich der Aufwand lohnt, die besten auszuwählen: Zum einen ist es frustrierend für Kinder, mit schlecht verarbeiteten Bausteinen zu konstruieren. Zum anderen ermöglichen die Abmessungen der Einheitsbausteine („Äquivalenzen“) dem Kind, wenn auch unbewusst, die mathematischen Konzepte von Vielfachen oder Brüchen zu erforschen. Ein Bausatz mit kleinen Bausteinen sollte in Bezug auf Abmessungen und Proportionen zu den vorhandenen mittleren oder großen Bausteinen passen. Anders ausgedrückt: Sie sollten auf demselben Grundmaß beruhen.

Schließlich sollten Bausteine in ausreichender Menge vorhanden sein. Wenn die Kinder ihre Konstruktionen nicht fertigstellen können, weil nicht genug Bausteine da sind, ist es nicht nur frustrierend, sondern auch ein Entwicklungshindernis.

Beide Autorinnen sind als pädagogische Fachberaterinnen am Creative Centre for Childhood Research and Training in Tallahassee, Florida, tätig. www.cccrt.org